Hexe brennt auf Holzstoss

 

Die Hexe brennt auf dem Hainbronner SonnwendfeuerMit einer klaren Vollmondnacht und hochsommerlichen Temperaturen hat der Sommer 2008 seinen Einzug im Dorf gehalten. Zeit also nach altem Brauchtum wieder die Sonnenwende zu feiern.

Das Johannisfeuer des Stammtisches Brazil wird diesmal am Samstag, 28. Juni, auf dem Biesselberg entfacht. Dann wird auf dem Holzstoss auch wieder eine Hexe brennen - um böse Dämonen auszutreiben.

Johanni ist als Lostag in der Überlieferung für die Landwirtschaft und Wetter von zentraler Bedeutung. Die Sommersonnenwende leitet meist mit dem Ende der Schafskälte die Erntesaison ein. Zeigerpflanzen und Tiere der Phänologie sind daher traditionell nach diesem Tag benannt:

  • Das Johanniskraut, da es um den Termin blüht
  • Die Johannisbeere erreicht ihre Reife
  • Die Schwärme der Johanniskäfer (Glühwürmchen) entfalten ihre Leuchtkraft in der Zeit rund um die Johannisnacht

Der Sommer kann kommen - Das Hainbronner Sonnwendfeuer brennt

Futtergräser sind bereits reif, und Sommer-Getreide und viele anderen Nutzpflanzen beginnen nun ihre Reifeperiode. Traditionell werden auch Rhabarber und Spargel bis zu diesem Tag geerntet. Johanni gilt daher als spätester Termin auch in klimatisch schlechten Regionen für die Heuernte, aber auch als Garant für gutes Wetter. Der Begriff Johannischnitt wurde geprägt.

  • „Vor dem Johannistag / man Gerst und Hafer nicht loben mag.“
  • „Wenn die Johanniswürmer glänzen, / darfst Du richten Deine Sensen.“

Die späte Mahd prägte die Artenvielfalt der europäischen Kulturlandschaft mit, da den meisten Wiesenpflanzen Zeit gelassen wird, auszusamen und auch den Bodenbrütern der Vögel und auch vielen anderen Tieren, wie Insekten und Spinnen, mehr Zeit für ihr erfolgreiches Vermehren gelassen wird.

  • „Der Kuckuck kündet teure Zeit, / wenn er nach Johanni schreit“ kann frei übersetzt werden mit: Eine verzögerte Entwicklung der Tiere ist meist verbunden mit schlechtem Wetter und daher mit Ernteausfällen.

Der Fortschritt der Landwirtschaft und die damit verbundene Intensivierung, vor allem die Werbung von Silage, verschob den Termin der Mahd immer weiter nach vorne. Der Johannischnitt gilt deshalb im Naturschutz als günstiger Termin für die Mahd von Wiesen und wird häufig bei der Pflege von naturnahen Wiesen angeordnet, heißt es im Brauchtumslexikon.

Auch im Obstbau spielt der Termin einer Rolle: Der Johannistrieb ist der zweite Austrieb von Laubgehölzen um Mittsommer. Hier können noch einmal Schnittmaßnahmen gesetzt werden. "Johannistrieb" ist dazu auch in der bäuerlichen Überlieferung spöttisch, wenn ein älterer Mann eine junge Frau nimmt und seinen "zweiten" Frühling feiern will.

Artikel vom 21. Juni 2008

Links:

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Das Hainbronner Sonnwendfeuer 2007: Bilder und Videos...

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