Karlsbader Becherbitter aus dem "Becherovka"-Museum
Knapp eine Stunde Fahrtzeit ist es mit dem Auto von Hainbronn nach Tschechien. Zur Erinnerung wird gerne eine Flasche Bechervoka mit nach Hause genommen – als beliebtes Souvernier und berühmte Medizin nach dem Essen. Doch wo und wie wird dieser original tschechische Kräuterlikör mit seiner goldenen Farbe und seinem einzigartigen Geschmack eigentlich hergestellt?
Eine Antwort auf die Frage vieler Kurzurlauber suchte jetzt die Hainbronner Dorfgemeinschaft selbst – beim Jahresausflaug des Schützenvereins nach Karlsbad mit einer Besichtigung des in „becherovkagrün“ gestrichenen Stammhauses, in dem der Karlsbader Becherbitter seit 200 Jahren hergestellt wird

„Heute gibt es in der Becherovka-Fabrik in Karlsbad nur zwei Personen, die in das vollständige Geheimnis der Becherovka- Herstellung eingeweiht sind“, erfuhren die Hainbronner beim Besuch in der Herstellerfirma. Diese beiden Auserwählten sind auch die einzigen, die die „Drogikamr“ („Drogenkammer“) betreten dürfen, deren Bezeichnung aus der Zeit der Familie Becher stammt und in der einmal pro Woche die Mischung der vielen Kräuter und Gewürze zubereitet wird. „Etwa drei Viertel der Kräuter und Gewürze stammen aus dem Ausland, ausgewählte Arten wachsen in der Umgebung von Karlsbad“, hieß es bei der Betriebsbesichtigung.
Interessant für jene Teilnehmer, die in unserer Region mit der Herstellung von fränkischen Obstbränden vertraut sind, waren freilich auch die weiteren Produktionsschritte: „Die fertige Mischung wird in Naturstoffsäcke gefüllt und für eine Woche in Alkohol getaucht, damit sie vollständig durchziehen kann.“ Der entstandene Extrakt kommt mit Wasser und Zucker gemischt für zwei Monate zur Einlagerung in ovale Eichenfässer. „Damit der Kontakt zwischen Fass und Inhalt so groß wie möglich ist.“
Anfangs wurde der Likör eigentlich nicht getrunken. Im Gegenteil: Der Sud war als eine Art Magentropfen zur Anregung der Verdauung verwendet worden. „Angesichts des lieblichen Geschmacks dieser „Medizin“ verwundert es nicht, dass manche Patienten die vorgeschriebene Dosierung nicht einhielten und so nach und nach die Becherovka-Tradition des Aperitifs schufen“ scherzte die Führerin und reichte den Hainbronnern in weißen Porzellanbechern eine Kostprobe.

Zum Programm gehörte auch eine Besichtigung der historischen Altstadt mit seinen Kultureinrichtungen und Sehenswürdigkeiten. Schließlich zählt das knapp 51 000 Einwohner zählende Karlsbad mit seinen 14 Quellen zu den bekanntesten Kurbädern des Nachbarlandes. Die bekannteste und stärkste befindet sich in den Weißen Kolonnaden und wird Sprudel (Vřídlo) genannt. 72 Grad Celsius heiß, schießt bis 14 Meter in die Höhe und besitzt eine Schüttung von 2000 Litern pro Minute.

Berühmt ist auch das 1701 gegründete, am Ufer der Teplá gelegene Grandhotel Pupp, das mit seiner imposanten Fassade bei der Stadtführung ein beliebtes Fotomotiv war. Logiert hat hier schon Zar Peter der Große, Madeleine Albright während ihrer Zeit als US-Außenminister und Ocar-Preisträger, Schauspieler Michael Douglas.

Der Ausflug führte auf der Rückfahrt auch zum berühmten Stift Tepl. Das Prämonstratenserkloster liegt etwa zehn Kilometer östlich von Marienbad. Die Stiftsbibliothek ist durch ihren großen Bücherbestand von etwa hunderttausend Bänden die zweitgrößte im Lande. Sie beherbergt wertvolle Handschriften und Inkunabeln sowie Bücher in allen europäischen Sprachen. Die Ordensmitglieder bemühen sich um den Wiederaufbau des Stiftes und allmählich gelingt es die geistliche und kulturelle Tradition des Klosters zu erneuern. Fast das ganze Jahr über werden Klosterführungen in verschiedenen Sprachen angeboten.
Link:
Auf den Spuren von Jules Verne - Jahresausflug der Schützen 2007 zur Kontinentalen Tiefbohrung...
Artikel vom 9. Juni 2007

