Statt Laufschuhe in die Klickpedale - Kerstin Ehler startet für sozialen Zweck
Der Versuch, einmal von den Laufschuhen in die Klickpedale eines Mountainbikes (MTB) zu wechseln, hat sich für Kerstin Ehler aus dem Pegnitzer Ortsteil Hainbronn beim Ischgl-«Ironbike» gelohnt. Zufrieden kam die Ultraläuferin als 38. von 49 gestarteten Frauen über die Kurzdistanz nach 2:07 Stunden an.
«Eine tolle Erfahrung», freut sich Kerstin Ehler, die nach einigen Ultra- und Marathonläufen erstmals auf einem Rad im Wettkampf unterwegs war. Drei unterschiedliche Streckenlängen garantierten beim «Ironbike» für die 900 Starter die passende Herausforderung. Es ist der härteste, aber mit 20 000 Euro Preisgeld auch höchstdotierte Rad-Marathon im MTB-Kalender .
Die Voraussetzungen, einmal Wettkampf-Atmosphäre bei einem Mountainbike-Rennen zu schnuppern, waren bestens: Die «kleine Runde» mit 27 Kilometern Streckenlänge und 700 Höhenmetern war für jeden gut trainierten Hobbybiker zu schaffen, die Stimmung wie bei den großen Stadtmarathons fantastisch. Kerstin Ehler: «Schließlich standen Freizeitsportler zusammen mit Olympiasiegern und Weltmeistern hinter dem Startband.»
Zumal es auch bei den Hobbyfahrern knackig bergauf und auf ausgefahrenen Singletrails kernig bergab ging. Aber sie hatten es leichter als die Biker der beiden längeren Strecken, die kräftezehrende Abschnitte über 48 Kilometer/2050 Höhenmeter und 79 Kilometer/3820 Höhenmeter hatten, auf die sich nur 21 bzw. 11 Frauen wagten. Sie brachen in die Männerdomäne der weltbesten Parade-Biker ein. Kerstin Ehler: «Es ist aber schon faszinierend zu beobachten, wie selbst Olympiasieger mit letztem Einsatz den Ironbike angehen.» So kam die niederländische Mountainbike-Legende Bart Brentjens über die mittlere Distanz nach einem platten Reifen die letzten vier Kilometer buchstäblich als «eiserner Biker» auf der Felge ins Ziel. Denn: Vielen Profis diente das Rennen als letzter Test für die MTB-Marathon-WM.

Die notwendige Härte und Ausdauer für das Rennen in der Tiroler Bergwelt der Silvretta und des schweizerischen Samnaun hatte sich die 42-jährige Hainbronnerin heuer bei sieben Lauf-Wettkämpfen geholt: Zuletzt mit einem zweiten Platz bei den Frauen beim 38 Kilometer langen «Frankenweg-Lauf» von Streitberg nach Obertrubach, als es über 38 Kilometer immerhin 967 Meter bergauf und 880 Meter wieder bergab durch die Fränkische Schweiz ging.
In dieser Saison steht bei der ambitionierten Läuferin vor allem das soziale Engagement im Vordergrund. Bei den «Big 25», dem traditionellen 25-Kilometer-Lauf in Berlin, ging die Hainbronnerin mit rund 10 000 Startern auf die Strecke. Sie unterstützte damit die Aktion «Laib und Seele». Für jeden gelaufenen Kilometer spendete nämlich eine Großbäckerei ein Brot für die Berliner Tafel.
Lauf für guten Zweck
Beim Altstadtfest in Lauf streifte sich die Hainbronnerin das Trikot der «Lebenshilfe Nürnberger Land» über und spulte mit 250 weiteren Startern die 10 Kilometer Altstadtlauf-Runde ab. Der Erlös kommt ausschließlich Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung zugute.
In Kürze geht die frühere Handballerin des ASV Pegnitz beim Fränkische Schweiz-Marathon für den Weißen Ring, der einzigen bundesweiten Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer und ihre Familien, an den Start. Den Staffellauf über 26 Kilometer sieht die Sportlerin als letzte Vorbereitung für den Berlin Marathon am 20. September an. «Kompakter kann man Deutschlands aufregendste Stadt nicht kennenlernen. Auch wenn es dafür über 42 Kilometer in Laufschuhen geht.»
Artikel vom 31. August 2009

