Toller Saisonabschluss - Bei Premiere des Marathons Nizza - Cannes
Das war eine Laufsaison für uns: Zum Saisonauftakt im Frühjahr der Marathon in Antalya, Nürnbergs Partnerstadt in der Türkei und zum Saisonausklang nun der Start beim Premierenlauf Nizza-Cannes, bei dem für 10 000 Läufer aus der Welt der Startschuss in Nürnbergs französicher Partnerstadt an der Côte d'Azur fiel. Wir hatten das Glück mit weiteren 38 Läufern aus der Metropolregion Nürnberg eine Startnummer für den seit Monaten ausverkauften Lauf zu erhalten. Alle hatten über das Amt für Internationale Beziehungen in Kooperation mit der Stadtverwaltung und dem Verein Never Walk Alone Nürnberg einen Startplatz für den seit Monaten ausgebuchten Lauf bekommen.

Los ging es an der weltberühmte „Promenade des Anglais“, die sich neun Kilometer die Küste entlang zieht. Sommer wie Winter ist sie der bevorzugte Treffpunkt der Sportler. Jeden ersten Sonntag im Monat wird die für den Verkehr gesperrte Straße zum Reich der Radfahrer und Spaziergänger. Am Sonntag, 9. November, gehörte die Promenade zwischen Meer und Gebirge dann erstmals Läufern aus aller Welt.

Es ging vorbei am weltberühmten Hotel Negresco hinüber nach Cagnes-sur-Mer, das einen weiten Blick auf die verschneiten Seealpen erlaubte, durch den Jachthafen Antibes über Juan-les Pins und Golfe-Juan Vallauris, wo einst Napoleon nach seiner Rückkehr aus Elba landete. Ziel war dann nach 42,195 Kilometern die Promenade in Cannes, heute der Treffpunkt der Reichen und Schönen mit seinem mondänen Charakter.

Bei strahlendem Wetter und fast frühlingshaften Temperaturen von 17 Grad ließen sich Einheimische und Gäste in den Straßencafes Wein und Meeresfrüchte schmecken. Auch auf den Jachten und am Strand verfolgten die Franzosen aufmerksam den kaum enden wollenden Wurm der Läufer in ihren bunten Sport-Trikots. Schließlich schob sich der Marathon von Nizza nach Cannes schon vor dem Start als zweitgrößte Laufveranstaltung Frankreichs hinter den Klassiker „Marathon de Paris“. Auch die vielen Begleiter mussten sich nicht langweilen.
Für die richtige Stimmung am Streckenrand sorgten zahlreiche Musiker, die den Läufern zusätzlich einheizen. Wer mochte, konnte seinem Laufpartner mit der Bahn nachfahren, deren Fahrplan auf die Marathonzeit abgestimmt war, so dass ein Ein- und Aussteigen entlang der Strecke problemlos möglich war. Kerstin: "Toll, wie einem auch aus dem Zug Hunderte von Fans zugewunken und zugerufen haben."
Hier gibt es unsere Bildergalerien vom Marathon Nizza-Cannes
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Unser Urteil: „Nizza war für alle sportlich ambitionierten Hobbyläufer ein prima Saisonausklang“. Freilich mussten wir bis zuletzt um einen Start im Süden bangen. Denn der Nürnberger Ultraläufer Bernhard Nuss hatte im Vorfeld eifrig die Werbetrommel gerührt, doch die Einladung des Organisationsteams in Frankreich war erst vor einige Wochen amtlich. So standen auch wir vor dem Problem: Für eine Sightseeing-Tour zu den Schönheiten der Côte d'Azur reicht die knappe Zeit zwar allemal. Die sportliche Vorbereitung eines Marathons nimmt jedoch einige Monate in Kauf. Kein Wunder, wenn daher zur Premiere nahezu ausschließlich erfahrene Langstreckenläuferinnen und Läufer und Triathleten kurzentschlossen das Ticket überzogen und nochmals die Laufschuhe schnürten. Dennoch lautete die einzige Bedingung für den Start: „Jeder Teilnehmer muss sportlich fit sein und schon einmal mindestens einen Halbmarathon über 21 Kilometer gelaufen sein.“
Ein Kriterium, das vor allem Kerstin bei einem Blick in ihr Lauftagebuch problemlos erfüllen konnte: Mehr als 2000 Traningskilometer allein in diesem Jahr auf den Straßen und Wanderwegen rund um Pegnitz und ein halbes Dutzend verschlissene Laufschuhpaare zur Vorbereitung. Außerdem liegen neben dem Finisher-Shirt des Antalya-Laufes auch die Erinnerungsmedaillen für den Gletschermarathon im österreichischen Imst und den Sechs-Stunden-Ultralauf in Nürnberg im Trophäenschrank.
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Erfahrungen mit großen Sportveranstaltungen hat Nizza seit langem. Nürnbergs Partnerstadt ist Ziel des Radklassikers Paris-Nizza und ebenso wie das fränkische Roth jährlich beim «Ironman Nice» das Mekka der Triathleten. Beim Halbmarathon Nizza, der mittlerweile zu den fünf bedeutendsten Läufen in Frankreich zählt, schickten die Veranstalter zuletzt über 8000 Starter auf die Strecke. Dennoch gab es im Vorfeld kleine Probleme bei der Registrierung und der Startnummernausgabe. Ein Teil der Starter aus Mittelfranken hatte die Startunterlagen mit der Post zugeschickt bekommen, der Rest musste sich im Gewusel der Läufer aus vielen Staaten der Welt seine Unterlagen in der Marathonmesse erkämpfen. Deutlich schneller und unkompliziert organisiert war derweil am Sonntag die Abgabe der Kleidersäcke. Sie purzelten kurzerhand in nummerierte, Kleiderschrank große Kartons und waren nach dem Startschuss zwei Stunden später noch vor dem Einlaufen des Siegers Jakob Kitur mit Lastwagen nach Cannes gebracht worden.

Unkompliziert auch das letzte Pinkeln vor dem Startschuss. Waren die Dixi-Klos am Startrand besetzt, suchte sich mancher Läufer noch schnell den Weg zum Meer. Gut positioniert waren entlang der Strecke auch die vielen freiwilligen Helfer. Alle fünf Kilometer bot eine Verpflegungsstation Cola, Bananen, Apfelsinen und Kuchen zur Stärkung. Im Ziel kochten sieben Köche aus einer Tonne Nudeln, 1000 Litern Tomatensoße und viel Basilikum eine herzhafte Pasta. Hier gab es dann einiges zu feiern – schließlich wurden die persönlich gesteckten Ziele mehr als erreicht.Kerstin: "Mit meiner Zeit von vier Stunden und 19 Minuten habe ich erstmals kontinuierlich für jeden Kilometer nur sechs Minuten gebraucht." Und das bei einer schweren Strecke.

Obendrauf gab es zur Erinnerung ein "Partnerstadt Nürnberg"-Shirt und im Ziel neben der obligatorischen Finisher-Medaille auch Erinnerungsshirts, auf denen nochmals der Streckenverlauf abgedruckt war.
Hier gibt es das Marathon-Video von never walk alone Nürnberg ...
Während der Fahrt und am Laufwochenende haben wir auch viele neue Freunde gefunden. Schließlich treffen sich selbst hartgesottene Marathonis am Vorabend noch einmal schnell zu einem „Beruhigungs-Bier“, um die Nacht vor dem Lauf einigermaßen schlafen zu können. Offenbar steigt mit der Zahl der erfolgreich gefinishten Marathons aber auch der „Härtegrad“, wie uns Peter und Martin aus England signalisierten. Die beiden Läufer haben schon mehr als hundert Marathons „unter der Sohle“.

Als die Sportler dann im Gespräch noch mitbekamen, dass wir aus der Region Nürnberg stammen, war „das Eis“ schnell gebrochen. „Kennt ihr den Lauf in Regensburg, kennt ihr den Marathon in Nürnberg? Seit ihr schon mal entlang der Donau gelaufen?“, wollte Peter aus England wissen. „Bin ich alles schon gelaufen“, sagte der englische Sportler mit berechtigtem Stolz. Da können wir nur sagen: „Hut ab – Freunde aus England“, oder wie die Franzosen schreiben: „Chapeu – mes amies de l'anglais."
Artikel vom 12. November 2008
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